



Das Marion Dönhoff Gymnasium besitzt eine lange Geschichte erfolgreicher pädagogischer Arbeit. Aus diesen Erfahrungen schöpft unsere Schule ihr Profil, dass inhaltlich und methodisch anspruchsvolle Anforderungen mit dem pädagogischen Blick auf die einzelne Schülerpersönlichkeit verbindet. Unsere Schule versteht sich als eine dynamische, sich den ändernden Bedürfnissen und Rahmenbedingungen anpassende Institution. Deswegen verbinden wir pädagogisch bewährte Erfahrung mit der Entwicklung neuer Perspektiven. Die gemeinsamen verbindlichen Entwicklungsziele für unsere Schule sind das Ergebnis eines regen und bewusst gepflegten Dialoges zwischen Schülern, Lehrern und Eltern.
"Unsere Schule hat sich im Jahr 2009 nach Marion Gräfin Dönhoff benannt. Ihre Persönlichkeit steht für Unabhängigkeit, für konsequent gelebtes soziales und politisches Engagement und für eine wachsame und kritische Haltung gegenüber der Gesellschaft und politischen Strömungen. Gerade in einer Epoche unbegrenzter Freiheit wünscht sich Marion Gräfin Dönhoff Schüler, die „bereit sind, Verantwortung für die Gemeinschaft zu übernehmen, also nicht nur ans eigene Geld verdienen zu denken und zu meinen, für den Rest solle der Staat aufkommen." Und sie betont den Mut, den es erfordert, sich notwendigen Veränderungen zu öffnen und für sie einzustehen. Wir, Lehrer, Schüler und Eltern begreifen die Arbeit an unserer Schule als einen gemeinsamen Prozess, der auf diesen Orientierungen basiert, und laden alle zur konstruktiven Mitarbeit ein." (aus dem Leitbild der Schule)
Nach der Idee des deutsch-finnischen Künstlerpaares Tellervo Kalleinen und Oliver Kochta-Kalleinen „Beschwerdechor" werden während des ersten Halbjahres in möglichst vielen Klassenstufen bei Schülern, aber auch bei Eltern und Lehrern schriftlich und mündlich Beschwerden gesammelt. Klassen schreiben ihre Beschwerden anonym auf. Einzelne werden von Lorenz Hippe in seiner „Beschwerdelounge" während des Unterrichts oder in der Pause interviewt um die Geschichte „hinter der Beschwerde" einzufangen. Außerdem besucht der Autor verschiedene Klassen und Gruppen und berät die Schüler bei ihren Projekten zum Thema „Ich und die anderen". Alles entstandene Material: Texte, Szenen, Videos, Fotos und alle Beschwerden werden gesammelt, dokumentiert und zum Teil auch in einer schulinternen Präsentation am 24.1. zum Abschluss des Halbjahres, moderiert vom Patenautor, gezeigt. Im zweiten Halbjahr soll dann - in regelmäßigen Treffen und während einer Intensivwoche im April - mit einer klassenübergreifenden Schülergruppe und in Zusammenarbeit mit Bandprojekt und Chor das Gesammelte, Gelesene und Gezeigte zu einem Theaterstück verdichtet werden. Zum Schuljahresende soll das entstandene Stück (mit dem Arbeitstitel: „Das Leben ist zu kurz") in einer Lesung präsentiert und veröffentlicht werden. Im Schuljahr 2012/13 soll das Stück - möglichst an der Schule und evt. in Kooperation mit einem Hamburger Theater - mit Schülern und Schauspielern uraufgeführt werden.


Am Freitag, 8. Juni 2012 fand die Abschlusspräsentation des Projektes statt. Unter dem Arbeitstitelitel "Ich und die Anderen" waren zwei Theaterstücke von den Schülerinnen und Schülern geschrieben worden: "Double Bind" und "Letzte Warnung - a long way home". Beide Stücke wurden von den Autorinnen und Autoren in verteilten Rollen und äußerst engagiert gelesen. Die Stücktexte folgen!
Ende Februar 2012 schickte uns Lorenz Hippe zwei Textbeispiele aus der Arbeit mit den Schülern seiner Patenschule: Schreibübungen oder "Was aus ganz einfachen Fragen werden kann!" und Beschwerden, aufgezeichnet von Schülern, einer Lehrerin und einer Mutter.
Das erste Halbjahr: Sich kennen lernen und Material sammeln
Kurztagebuch der Patenschaft
Lorenz Hippe
2.9. Ich besuche den Chor der fünften Klassen, lasse sie Beschwerden aufschreiben und interviewe Freiwillige. Außerdem probieren wir einen lautmalerischen Sprechchor über die Beschwerde „Zu viele Hausaufgaben". Im Musikunterricht einer zehnten Klasse zeigen mir Schüler ihre „vertonten Sachtexte", wir wählen einen davon aus („Antons Zeugnis") und bereiten ihn für die nachfolgende Präsentation vor. Dann treffen sich alle zehnten Klassen. Die Schulleiterin stellt mich vor. Die Schüler spielen „Antons Zeugnis". Ich lese einen Ausschnitt aus „Sky is the limit - ein Graffiti-Stück" und stelle die Patenschaft vor.
3.9. Kolleg/innen aus den Fächern Musik, Deutsch, Kunst und Darstellendes Spiel nehmen an einer ganztägigen praktischen Lehrerfortbildung zum Thema „Kreativität" teil, die ich -gemeinsam mit Albert Kaul und Stefanie Bachmann - leite
27.9. Projektwoche „social network", Ich unterstütze die Choreografin Lucia Glass beim Workshop der Moderationsgruppe. Wir studieren klingende Standbilder zur Anmoderation ein und sprechen über die Dramaturgie der Abschlusspräsentation.
2.12. Lesetag alle Stufen „Ich und die anderen - die anderen und ich". Ich gebe drei Kurzworkshops: „Schreiben eigener Texte" für Klasse zehn, „Improvisieren" für Klasse sechs und moderiere den „Poetry Slam", bei dem Achtklässler ihre Texte vortragen. Zum Schluss improvisiere ich mit Kathrin Carbow einen Text und ein „Chanson Direkt" aus Textzeilen, die zuvor von allen Schülern ausgewählt wurden. In den Pausen habe ich zum ersten Mal im Elterngesprächsraum die „Beschwerdelounge" eingerichtet. Schüler können sich dort ungestört und anonym beschweren, was auch mehre ausführlich wahrnehmen.
13.12. Zunächst besuche ich eine fünfte Klasse. Bei „Theater Direkt" erfinden und spielen wir ein gemeinsames neues Märchen: „Prinzessin Margarite". Im Politikunterricht einer zehnten Klasse sammele ich zunächst schriftliche Beschwerden. Damit die Interviews in Gang kommen, verlassen die beiden Lehrer den Klassenraum und wir sprechen und diskutieren u.a. über Oberflächlichkeit, die Häufung von Arbeiten und die Legalisierung von Marihuana. Zwei Kleingruppen entwickeln anschließend Lösungsvorschläge zu zwei Themen und stellen sie vor. In einer sechsten Klasse lasse ich die Schüler aus selbst gewählten „Sounds" und Wörtern Lautgedichte schreiben, die wir uns anschließend vortragen. Auch ich beteilige mich mit zwei improvisierten Lautgedichten. Der Tag klingt aus mit Gesprächen im Lehrerzimmer.
14.12. Ich besuche eine achte Klasse. Da sie sich für verschiedene Dinge interessieren, schreiben die einen ihre Beschwerden auf und geben mir Interviews, die anderen schreiben Textfragmente für ein gemeinsames Ereignis „Bergwerkunglück". Ein Schüler liest eine selbstgeschriebene Science Fiction Geschichte vor und alle geben ihm Feedback. In der Pause und den nächsten zwei Stunden sammele ich weiter Beschwerden, diesmal von Lehrern und von Müttern, die ehrenamtlich die Cafeteria betreuen. Verbindendes Thema der meisten Beschwerden: Die Verkürzung des Abiturs auf acht Jahre und die damit verbundenen Auswirkungen auf das tägliche Leben.
Zwischen den Jahren schreibe ich alle Beschwerden und die Gespräche ab und sammele alle Texte, die ich bekommen kann. Außerdem stelle ich die Beschwerden thematisch zusammen und schreibe erste Texte.
In Planung
24.1. Vormittags betreue ich die Generalprobe für die - am Abend geplante - Präsentation der entstandenen Projekte „Ich und die anderen". Ich werde die Veranstaltung moderieren und mit ersten - aus den Beschwerden entstandenen - Texten begleiten. Dort sollen auch erstmals die Schüler zusammenkommen, die die „Schreibgruppe" für das zweite Halbjahr bilden.
Im zweiten Halbjahr soll dann - in regelmäßigen Treffen und während einer Intensivwoche im April - mit einer klassenübergreifenden Schülergruppe und in Zusammenarbeit mit Bandprojekt und Chor das Gesammelte, Gelesene und Gezeigte zu einem Theaterstück verdichtet werden.
Zum Schuljahresende soll das entstandene Stück mit dem Arbeitstitel: „Das Leben ist kurz" in einer Lesung präsentiert und veröffentlicht werden.
Im Schuljahr 2012/13 soll das Stück - möglichst an der Schule und evt. in Kooperation mit einem Hamburger Theater - mit Schülern und Schauspielern uraufgeführt werden.
Außerdem werden wir alle Beschwerden, die mit der Schule zu tun haben (über hundert) feierlich an die Schulleitung, den Eltern- und den Klassenrat übergeben. Vielleicht gibt es ja Kritik, der es lohnt, nachzugehen?

Geboren 1965, aufgewachsen im Rhein-Main-Gebiet, Abitur, Studium „Angewandte Theaterwissenschaft" in Gießen, lebe mit Freundin und Sohn in Berlin.
Ich arbeitete als Theaterpädagoge, Dramaturg und Regisseur fest an mehreren Theatern. Seit 2006 bin ich freier Theaterautor und Dozent für Theaterpädagogik und Szenisches Schreiben. Insgesamt habe ich etwa dreißig Produktionen mit Menschen allen Alters geleitet, darunter viele Stückentwicklungen. In Berlin konnte ich zwei Jahre aus der offenen Jugendarbeit heraus Theater- und Videoprojekte mit deutschen und türkischen Jugendlichen machen. In meiner Zeit als Dramaturg am Theater Heidelberg habe ich angefangen, aus Interviews mit Jugendlichen Stücke für das professionelle Jugendtheater zu schreiben, was ich bis heute tue. Vor allem das Stück „Strike! In dieser Nacht schlagen wir zurück" über das Computerspiel „Counter Strike" wird an vielen Theatern gespielt. Regelmäßig lehre ich als Dozent für Theaterpädagogik an verschiedenen Bildungseinrichtungen.
„Nach Hause, Bartolomeo!" DTV, Weinheim. Im Verlag der Autoren: „Sky ist the limit - ein Graffiti-Stück; „Strike! In dieser Nacht schlagen wir zurück; „2050 - Ein Tag im November" und „2050 - Die Welt wird blau" zum Thema „Klimawandel"; „Sonjas Entscheidung", interaktives Klassenzimmerstück über eine Teenagerschwangerschaft.
Literaturstipendium des Berliner Senates, Paul-Maar-Stipendium, 1. Preis bei „spielbar, Stücke für das Amateurtheater" mit „Nach Hause, Bartolomeo!". Das interaktive Klassenzimmerstück „Sonjas Entscheidung" wurde 2010 beim 12. Niederländisch-deutschen Kinder- und Jugenddramatikerpreis mit der Aufnahme in den Stückepool ausgezeichnet und nach der Uraufführung in Bremerhaven in Berlin, Schwedt und Dortmund gezeigt. Die Inszenierung der Uraufführung von „2050 - ein Tag im November" erhielt 2011 einen Preis bei „Westwind", dem 27. Kinder- und Jugendtheatertreffen NRW. Das Stück über die Folgen des Klimawandels wurde auch übersetzt und mit Unterstützung des Goethe-Instituts in Bosnien und Serbien aufgeführt. Ebenfalls 2011 erschienen die theaterpädagogischen Fachbücher „Und was kommt jetzt? Szenisches Schreiben in der theaterpädagogischen Praxis" und „Theater Direkt - das Theater der Zuschauer, ein Beitrag zur kollektiven Kreativität" im Deutschen Theaterverlag.
Schüler/innen durch Kurse in Improvisation und Szenisches Schreiben stärken, ihre kreativen Potenziale besser wahrzunehmen. Besonders Jungen und Schüler/innen aus Haupt- und Realschule den Zugang zum Theater erleichtern.