



Am 1.3.13 fand in der Bugenhagenschule der jährliche "Lesetag" statt. Ein von den Schülern gemeinsam entwickelter Text, ein Stück "Kopftheater", wurde gemeinsam mit dem Patenautor Carsten Brandau als Live-Hörspiel präsentiert.
Erste Szenen aus dem gemeinsam entwickelten Theaterstück -Premiere ist für Juni 2013 geplant - werden am 10.4.13 anläßlich des Kulturabends "open stage" präsentiert.
Am 15.5.13 tritt die Autorengruppe der Schule im Rahmen eines Kulturabends mit dem Projekt "Kopftheater" auf und plant, die Texte nochmals im Rahmen des Richtfestes der neuen Sporthalle am 12.6.2013 zu präsentieren.
Regelmäßige Informationen über den Stand des Projektes finden Sie nicht nur auf dieser Seite, sondern auch hier http://blog.bugenhagen-schulen.de/?cat=62.
Start der Autorengruppe!
Ein Kurzbericht von Carsten Brandau
Am 16. und am 22. August traf sich nun zum ersten Mal die Autorengruppe im Rahmen meines diesjährigen TaTSch-Projektes an der Alsterdorfer Bugenhagen-Schule. Mehr als zehn Schülerinnen und Schüler (7. bis 10. Klasse) bilden diese Autorengruppe - und gemeinsam haben wir ein ehrgeiziges Ziel: Wir wollen zur Eröffnung der neuen Turnhalle im Sommer 2013 ein Theaterstück schreiben. Thema dieses Stücks ist: Sport. Und so haben wir uns zunächst einmal mit diesem Thema auseinander gesetzt. Haben uns überlegt, dass neben Goldmedaille und Rekordversuch auch Angst, Schweiß und Scham dieses Thema bestimmen - und unter anderem tauchte die Frage auf: Ist eine Wii eigentlich ein Sportgerät? Um diese Frage letztlich in unserem Stück beantworten zu können, beschäftigen wir uns nun mit Sprachstil, Dialogführung und Figurenzeichnung - und die ersten Texte, die in unserer Autorengruppe entstanden sind, lassen auf ein spannendes Ergebnis hoffen! Hier schon mal zwei Beispiele:
„Ich gehe nicht gerne zum Sport. Ich mag den Geruch nicht, wenn alle schwitzen. Ich bekomme immer keine Luft und dann habe ich Angst, dass ich sterbe. Dann würde es heißen: „An Schweißgestank gestorben". Meine Eltern und Freunde würden sich doch für mich schämen. Und das ist das Letzte, was ich will."
A: Hey, Tobi, haste zugenommen? Du solltest mal Sport machen!
B: Das musst du gerade sagen! Guck dir doch Detlev an! Der -
A: Der geht ja auch jeden Tag mit seiner Mutter joggen!
C: Ich geh mit meiner Mutter joggen, ja. Das ist wenigstens Sport! Während du dich mit deinem Vater auf die Couch fletzt und dir Chips und Filme reindrückst!
A: Nichts gegen meinen Alten!
B: Geht beide auseinander.
C: Ach, da meldet sich der Nervzwerg wieder.
D: Hast du gerade meinen Bruder beleidigt?!
C: Willst du Stress, oder was!?
Und so endete ein weiterer Tag auf dem Baui mit einer Keilerei.
2. Erfahrungsbericht - September 2012
Inzwischen hat sich die Autorengruppe im Rahmen des diesjährigen TAtSch-Projektes bereits zum sechsten Mal getroffen - und langsam setzen sich schon Szenen zu Stücken zusammen! Bevor es nach den Herbstferien mit dem Autor Carsten Brandau weitergeht, hier mal wieder eine kleine Kostprobe, die zeigt, wie viel dramatisches Potential in den Schülerinnen und Schülern der Bugenhagenschule steckt:
Szene 2: „Zu Hause"
aus dem Theaterstück: „Bunte Augen, wahre Freundschaft"
Saphir:
Müdigkeit wütet in meinen Kopf. Meine Augen schmerzen.
Schnell fliegen Saphirs Finger über die Tasten des Laufbandes. Ein grünes Licht flammt auf. Zufrieden legt sie ihr Handtuch auf die Stange und steigt aufs Laufband. Stufe 1. Sie fängt an, langsam zu gehen. Ihre Arme bewegen sich im Rhythmus dazu.
Saphir:
Hier geht es, denke ich. Hier sieht mich niemand, hier ist es nicht peinlich. Ich überlege nicht lange, dann schalte ich auf Stufe 10.
Saphir schaltet auf Stufe 10. Und beginnt zu laufen, schnell. Sie schließt die Augen.
Saphir:
Ich schließe die Augen und koste es ganz aus, wie das Adrenalin durch meinen Körper fließt. Und mir wird bewusst, wie sehr ich das Laufen doch liebe!
Mutter:
Ich habe mich schon gefragt, ob du das alte Ding... Ich meine das Laufband, wirklich benutzt. Ich konnte es mir eigentlich nicht vorstellen.
Saphir:
Ein Schock durchzuckt mich.
Saphir verliert das Gleichgewicht und das Laufband zieht ihr die Beine unter den Beinen weg. Mit einem lauten „Wumm" knallt sie auf den Boden.
Saphir:
Erschrocken schnappe ich nach Luft. Mama!!! Was machst du hier?
Mutter:
Darf ich jetzt nicht mal mehr in mein eigenes Arbeitszimmer? Tschuldigung. Wusste ich nicht.
Mutter hebt in einer übertriebenen Geste die Hände hoch. Saphir steht auf und tupft sich mir dem Handtuch den Schweiß von der Stirn.
Saphir:
Ich spüre, wie meine Augen in einem aufgeregten Rot wirbeln. (Gereizte Stimme:) Du weißt, dass ich nicht will...
Mutter:
Dass ich dir zuschaue, ich weiß, aber es war so schön, dich laufen zu sehen. Ich konnte nicht anders. Das hat mich so an mich selbst erinnert.
Mutters Augen wirbeln in einem erregten Grün. Saphir seufzt und mustert ihre Mutter von oben bis unten.
Saphir:
Du weißt, dass ich es niemals öffentlich machen werde!
Mutter schaut an die Wand. Auf einem wackeligen Brett stehen drei goldene Laufpokale.
Saphir:
(scharfer Ton) Nein!
Mutter:
Aber wieso nicht? Du hast so viel Talent!!! Schmeiß das doch nicht einfach weg. Du könntest zu einer ganz bekannten Läuferin werden!
Saphir:
Was an dem Wort „Nein" verstehst du nicht? Ich werde nicht öffentlich laufen! Du weißt, was mit meinen Augen passiert. Und das Rot kann man nicht kontrollieren.
Mutter:
Ich kann es dir zeigen!
Saphir:
Ich werde es aber nicht hinbekommen!
Mutter schaut gekränkt und enttäuscht. Saphir schmeißt das Handtuch auf den Boden und stampft aus dem Raum. Die Mutter bleibt zurück und schwelgt weiter in Erinnerungen.

geboren 1970 in Hamburg, wo ich inzwischen auch wieder lebe, zusammen mit meiner Frau und unseren zwei Kindern. Nach dem Abitur studierte ich Germanistik, Geschichte und Philosophie in Trier, London und Heidelberg.
Vier Jahre Regieassistent in Heidelberg, Düsseldorf und Dortmund. Während dieser Zeit entstanden meine ersten Regiearbeiten und Theatertexte. Seit 2003 arbeite ich frei als Autor und Regisseur von Theaterstücken und Hörspielen.
Ich habe mehrere Theater- und Hörspieltexte für Erwachsene geschrieben (z.B. „Wir sind nicht das Ende", „Palastica" oder „Fabelhafte Familie Baader"). Immer wieder schreibe ich aber auch für Kinder und Jugendliche (z.B. „Paule", „Angriff der Killerqualle" oder „Republik Pizza").
Dramatikerpreis des Thalia Theaters Halle 2001, Paul-Maar-Stipendium, Autorentheatertage Thalia Theater Hamburg 2002, Kindertheaterpreis der Frankfurter Autorenstiftung 2005, Drama-Köln-Preis 2007, Stipendiat am Düsseldorfer Schauspielhaus 2007/08, Autorentheatertage am Deutschen Theater Berlin 2010. Außerdem diverse Hörspielpreise.
Meine Liebe zum Theater begann während der Schulzeit in der Theater-AG. Dieser Neugier und Ausdruckslust wieder zu begegnen! Und gemeinsam nach neuen Wegen suchen. Sie gemeinsam zu beschreiten.